Das „Lärmfest“, das Bamberg attraktiver macht

Veröffentlicht am 08.05.2013 in Ratsfraktion

So langsam traut sich die Sonne heraus und mit ihr kommen auch die großen, kostenlosen Veranstaltungen auf dem Bamberger Maxplatz wieder – und das schon erfolgreich über mehrere Jahre hinweg. So lockt beispielsweise vom 19. bis 21 Juli das internationales Straßen- und Varietéfestival Bamberg zaubert. Etliche tausend Besucher und auch die SPD-Stadtratsfraktion sind begeistert: Die Veranstaltungen „sind für die Besucher kostenlos und stehen somit allen Bevölkerungsschichten offen, ein Ansatz, den die SPD-Fraktion begrüßt“, so SPD-Stadträtin Monika Bieber.

„Wir werden uns dafür einsetzen, dass dieses Stück Breitenkultur weiterhin erlebbar bleibt, sie tut Bamberg rundum gut“, so Bieber weiter – dies steht jedoch in starkem Kontrast zu der Meinung der Bamberger CSU-Fraktion, deren Chef Dr. Helmut Müller in „Bamberg zaubert“ nur eine „Fress- und Saufveranstaltung“ sieht, wie er bei einer Stadtratssitzung am 20. März kundtat. Im September vergangenen Jahres hatte die CSU zwei Anträge gestellte, „um den Lärmschutz für die Anwohner in der Innenstadt verbessern“, darin wird gefragt wie die Anzahl der „Events“, die auf dem Maxplatz durchgeführt werden, nachhaltig reduziert werden können.

76 Prozent gegen CSU-Forderungen

Einmal mehr Öl ins Feuer in der Debatte darum hatte Gisela Schlenker geschüttet. Ihrerseits Sprecherin der AG „Lärm“ aus dem Bürgerverein Mitte und frisch gebackenes CSU-Mitglied. Es ist ihr Thema und über dieses Thema versucht sie nun, so wird gemunkelt, auch in den Stadtrat gewählt zu werden. Nur 12 Tage später verschaffte sich Lärmkämpferin Schlenker und hoffnungsvolle CSU-Stadtratskandidatin noch einmal Gehör im Fränkischen Tag, mit Unterstützung von Ulrike Beckstein und Christiane Hartleitner. Gemeinsam bilden sie gewissermaßen die Troika der Veranstaltungsgegner. Und mit Pauken und Trompeten eröffneten Sie das Wahlkampfgetöse, auch wenn genau das in einem Radio-Bamberg-Interview dementiert wurde. Doch mit ihren Hasstiraden auf die beliebten, attraktiven und vor allem kostenlosen Veranstaltungen stehen sie auf weiter Flur eher allein da, wie sich kürzlich herausstellte. In zwei Umfragen der Wochenzeitung WOBLA und Radio Bamberg kam in den deutlich heraus, was die Bamberger von den Veranstaltungen auf dem Maxplatz halten. In einer ersten Erhebung wurden insgesamt fast 500 Passanten befragt: 76 Prozent von ihnen sprechen sich gegen die CSU-Forderung aus die Veranstaltungen zu reduzieren. Die „Sauf- und Fressveranstaltung“ Bamberg zaubert trägt in den Augen von 88 Prozent der Befragten sogar zur Attraktivität der Innenstadt bei. Auch das von Dr. Helmut Müller (CSU) als „Lärmfest“ betitelte Blues- und Jazzfestival mache Bamberg attraktiver, das meinen zumindest 80 Prozent der Befragten. Bei den ansässigen Geschäften sieht es nicht anders aus: So bekundeten, in einer zweiten Befragung der Medienhäuser, bei der 222 Unternehmen befragt wurden, mehr als die Hälfte aller Unternehmen, dass sie durch die Veranstaltungen sogar Umsatzsteigerungen zu verzeichnen haben. Die Zahlen sprechen für sich.

Verändertes Freizeitverhalten ist das Problem

Auch der Grüne Landtagskandidat Andreas Lösche zollte bei einer Diskussionsveranstaltung größten Respekt: „Hut ab, was sie hier auf die Beine stellen, vor allem das Blues- und Jazz-Festival“, so Lösche. Der einzige störende Lärm der letzten Wochen in der Stadt war die Polemik der CSU gegen die Veranstaltungen auf dem Maxplatz: „Die Menschen erwarten von der Politik Lösungen und nicht Vorwürfe. Ich fordere die Kollegen der CSU auf sich jetzt schnellstmöglich wieder mit den anderen Stadtratsgruppen an einen Tisch zu setzen, um gemeinsam die zunehmende Belästigung durch Lärm und Schmutz in ganz Bamberg anzugehen“, so der Kommentar des SPD-Fraktionsvorsitzenden Wolfang Metzner zu den Umfrageergebnissen. Die SPD-Fraktion forderte die CSU in einer Pressmitteilung bereits auf ihre Pauschalkritik an den Veranstaltungen einzustellen. Für Wolfgang Metzner ist die Sache ganz klar: „Die Menschen in der Stadt scheinen genau zu wissen, dass die zunehmende Lärmkulisse einem veränderten Freizeitverhalten geschuldet ist. Wir können nicht einfach nur die Studenten-Zahlenrekorde feiern, sondern müssen den jungen Menschen auch etwas bieten“. Bamberg dürfe nicht zu einem Freilicht-Museum verkommen, so Metzner und der SPD-Fraktionsvorsitzende fügt hinzu: „Die Menschen erwarten Lösungen, statt Schuldzuweisungen. Jetzt freuen wir uns erst einmal auf die nächsten Veranstaltungen“.

 
 

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